Freitag, 23. September 2016

Alles andere als „kalter Kaffee“


Trio Macchiato im Steinhaus

Zwei Herren im hellblauem Anzug mit Hut und eine Dame in rot betreten die kleine Bühne im vollbesetzten Steinhaus, der ehrwürdigen Häuptlingsburg im Rheiderland. Endlich sind die Außenarbeiten dort abgeschlossen, sodass die gut 50 Gäste des Konzertes mit dem Trio Macchiato besser zu uns finden und sogar ihr Auto abstellen konnten.

Jakob Neubauer, Foto: Former
Eine Reise mit dem Orient Express von Paris nach Istanbul war angekündigt. So weit, so gut, so bekannt. Mit einer Zigeunerweise aus dem Paris der 30er-Jahre nahm der alterwührdige Zug langsam und schwerfällig Fahrt auf. Erst einmal in Gang, waren alle guter Dinge und gespannt, was die drei Musiker denn sonst noch so aus ihren Instrumenten herausholen würden. Etwas leichter ging es mit einer französischen Musette weiter. Dazu inspiriert worden waren sie von einem Akkordeonisten, der in St. Malo an der Hafenmole saß: im blauen Anzug und mit Hut. Jakob Neubauer wird ihm in nichts nachgestanden haben. Der „Nachkomme deutscher Kolonisten vom Ufer des Schwarzen Meeres“ fasziniert mich immer wieder aufs Neue mit dem, was er aus seinem Instrumentarium (Akkordeon, Bajan, Bandoneon, Vibrandoneon etc.) so alles rausholt.

Dienstag, 26. April 2016

Jan Prax Quartett bringt New Orleans nach Aurich

Jan Prax Quartett, Foto: Dirk Lübben
Als ich am letzten Freitagabend ins Landschaftsforum kam, hatte ich gar keine Lust auf Konzerte und Musik und wollte mich am liebsten ins Bett legen. Auch wenn das Jan Prax Quartett natürlich ein verheißungsvoller Name ist. Das junge Quartett wird sicherlich wegweisend für die künftige Jazz-Szene in Deutschland sein, wenn sie es denn nicht schon sind. Und wann hat man solche Leute schon mal außerhalb der Gezeitenkonzerte in Ostfriesland?!

Dienstag, 22. März 2016

"Moi et les Autres" im Landschaftsforum


Foto: Wiebke Schoon
Am Freitagabend fand meine erste Veranstaltung im Landschaftsforum statt: Wir wurden von der französischen Chanson-Band "Moi et les Autres" besucht. Das Landschaftsforum war mehr als restlos ausverkauft, einige Besucher mussten sogar auf den Tischen Platz nehmen. Gegen 17 Uhr trafen Sängerin Juliette Brousset und ihre Band hier ein. Nach einer kurzen Probe mit geliehenem Gitarrenhocker (vielen Dank nochmal an das hilfsbereite Team von Kattul!) und dem quasi vegetarischen Essen begann das Konzert. Meine Kollegin Wiebke Schoon und ich betreuten die Abendkasse.  Mich überrascht bei solchen Gelegenheiten immer die Lockerheit der Musiker. Einen Auftritt vor immerhin knapp 200 Leuten empfinden sie als Spaß. Der Bassist verriet mir, dass man höchstens bei Auftritten mit Fernsehen oder mehreren tausend Leuten ein wenig die Finger zittern.

Im Konzert stellte die Band ihr neues Album vor, welches den Titel „BIO“ trägt. Das liegt daran, dass es zumindest in Teilen komplett ohne Strom und Technik aufgenommen wurde. Die Musiker sind nur mit Aufnahmegeräten und ihren Instrumenten in die Natur gegangen und haben sich aufgenommen. Doch Regen, Hagel, Blitzschlag, Schneestürme und Hitzewellen machten ihnen einen Strich durch die Rechnung, sodass das Album dann doch im Studio aufgenommen wurde.

 

Foto: Wíebke Schoon
Moderiert wurde das Konzert von Sängerin Juliette Brousset, die uns „Orischer“ (Auricher!) charmant durch den Abend führte. Der französische Chanson präsentierte sich in seiner gesamten Bandbreite. Wer nur Klassiker à la Champs-Élysées erwartete, wurde an diesem Abend enttäuscht. Lachen und Weinen, Geschwindigkeit und getragenes Tempo lagen an diesem Abend eng beieinander und die meisten Besucher gingen bewegt und begeistert aus dem Saal. Ermöglicht wurde dies durch Juliettes äußerst einfühlsame und zugleich variable Stimme. Doch auch die Leistung der anderen Musiker darf keinesfalls unter den Tisch fallen: Jeder einzelne von ihnen konnte im Duett mit der Sängerin überzeugen. Zudem würde ein hochvirtuoses Ukulelen- und Melodikaquintett geboten. Honoriert wurde diese Leistung mit nicht enden wollendem Applaus des Publikums. Bei der Zugabe kamen dann auch endlich Fans des „klassischen Chansons“ auf ihre Kosten: Es gab ein Medley von Chansons à la Barbara.

 

An diesem Tag habe ich vor allem gelernt, dass Arbeitstage von 15 Stunden (natürlich mit ausreichenden Pausen!) nicht unbedingt schlimm sein müssen. Interessant war es auch, die Künstler einmal abseits der Bühne zu erleben und bei den Proben dabei sein zu dürfen. Besonders gefreut hat mich aber vor allem die Aussicht auf ein Wiedersehen mit der Band in Ostfriesland, denn sie waren ebenfalls vom Forum und den „Orischoix und Orischoises“ sehr angetan.


Dienstag, 19. Januar 2016

Moi et les Autres im Forum

Am Freitag, 18.03.2016 wird die Chanson-Band „Moi et les Autres“ im Forum der Ostfriesischen Landschaft in Aurich zu hören sein. Die momentan wohl beste Chanson-Band in Deutschland stellt ihr Album „Bio“ vor. Keine Angst, es handelt sich nicht um einen wissenschaftlichen Vortrag über „Lebenskunde“, vielmehr geht es um Geschichten, die das Leben schreibt. Die vorgetragenen Erzählungen gleichen kleinen Biographien. Sie sind, genau wie das Leben selbst, von ganz verschiedenem Charakter: Mal poetisch, mal ironisch, mal melancholisch und manchmal sogar voller Wut.

Einigen von Ihnen wird die Sängerin von „Moi et les Autres“, Juliette Brousset, in guter Erinnerung sein: Die Sopranistin trat bereits vor zwei Jahren mit dem a cappella Quartett „Les Brünettes“ im Landschaftsforum auf und war von dem Ambiente, der Stimmung und dem Publikum so begeistert, dass bereits im Nachklapp des Brünettes-Konzertes erste Vorbereitungen für den Auftritt von „Moi et les Autres“ getroffen wurden.

Foto: Timo Volz
Neben dem klassischen französischen Chanson hat das Quintett noch einiges mehr zu bieten: Jazz, Swing, Tango und sogar Balkanmusik gehören ebenfalls zum Repertoire. Vielfältig ist auch die Instrumentation, von nur vier Musikern werden Kontrabass, Gitarre, Akkordeon und Schlagzeug sowie Banjo, Ukulele, Klarinette und Klavier bespielt. Natürlich nicht gleichzeitig ;)

„Moi et les Autres“ feierten Wettbewerbserfolge u. a. beim Chanson Wettbewerb "Yves Montand" in Lille (Frankreich) oder dem Wettbewerb „Moulin de Sel“ in Sulzbach, Saar. Freuen Sie sich also auf ein vielfältiges Programm der Extraklasse und auf musikalische Höchstleistungen.

Karten gibt es im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1, 26603 Aurich, telefonisch unter 04941 1799-67 oder per E-Mail (karten@ostfriesischelandschaft.de).






Mittwoch, 2. Dezember 2015

Neue Heimat: Altes Land

Buchvorstellung des Heimatromans von Dörte Hansen im Rahmen von „Der Norden liest“ im Landschaftsforum

NDR: Der Norden liest mit Dörte Hansen und Julia Westlake
Fast wäre Dörte Hansen am Freitag nicht ins Auricher Landschaftsforum gekommen. Am frühen Nachmittag stand sie vor dem verschlossenen Portal der Ostfriesischen Landschaft. Gert Ufkes und Uwe Pape kamen zufällig vorbei: „Einlass ist erst um 19:30 Uhr!“, sagten sie freundlich zu ihr und ihrer Tochter. „Ich lese hier!“, entgegnete sie à la Loriot, und Gert und Uwe wurden noch freundlicher. Es war wie immer alles gut vorbereitet, sodass sich Dörte Hansen und die fast 15 Personen des NDR und Heine.com, einer Agentur für Ereignis Kommunikation (von der Signalisation bis zur Fotografie), schnell entspannten. Julia Westlake, die seit 2007 das Kulturjournal im NDR Fernsehen moderiert, führte gekonnt durch den Abend. Durch die vielen Fragen von Julia Westlake an Dörte Hansen erfuhren die Gäste viel Interessantes. So war das Forum mit 119 Gästen bis auf einen Platz ausverkauft, und das, obwohl es zuvor einige Irritationen gab, wo Karten erhältlich waren, oder eben nicht.

Dienstag, 24. November 2015

Zehn Jahre "Der Norden liest"

Dörte Hansen: "Altes Land" am 27. November um 20:00 Uhr im Forum

Zehn Jahre „Der Norden liest“: das NDR „Kulturjournal“ auf Jubiläums-Tour durch Norddeutschland
Termine: Sonnabend, 10. Oktober, bis Sonntag, 13. Dezember


In jedem Herbst packt das „Kulturjournal“ des NDR Fernsehens für die Reihe „Der Norden liest“ die Koffer – in diesem Jahr zum zehnten Mal. Auf Veranstaltungen in ganz Norddeutschland präsentieren dann Autoren, Schauspieler und Musiker berührende, spannende, humorvolle und skurrile Themen.
Zum Jubiläum geht eine besonders hochkarätige Besetzung auf Tour: Mit dabei sind u. a. Doris Dörrie, Axel Hacke, Judith Holofernes, Dörte Hansen, Dominique Horwitz und Feridun Zaimoglu. Aber auch interessante Neuentdeckungen sind mit von der Partie. Die Reise geht kreuz und quer durch den Norden: von Flensburg bis Wolfenbüttel, von Aurich bis Neustrelitz. (Text: Veranstalter)

In Aurich liest am 27. November um 20:00 Uhr bei uns im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft in Aurich Dörte Hansen aus ihrem Debütroman „Altes Land“, der zugleich Familiengeschichte und Gegenwartssatire ist.

Samstag, 14. November 2015

Ein Wirtschaftsflüchtling im Forum

Kreisler: Wenn einem die Aktualität im Halse stecken bleibt

Janka Simowitsch und Emanuel Jessel, Foto: R. Former
Selten geht ein Publikum geschlossen nachdenklich nach Hause. An diesem denkwürdigen Freitag, dem 13. November, als bei uns im Forum das Programm „Im Theater ist nichts los“ mit Liedern von Georg Kreisler auf dem Programm stand, gelang es Schauspieler Emanuel Jessel und Pianistin Janka Simowitsch, dass alle, die, die möglicherweise Zerstreuung bei Kreisler gesucht hatten, sich doch genau wieder mit dem Thema zu beschäftigen, dem wir manchmal doch nur zu gerne entfliehen wollen: der „Flüchtlingskrise“.

Eher launig begannen die beiden mit „Bidla Buh“: Der Mann verliebt sich immer wieder aufs Neue und wird nie verlassen – vorher bringt er seine Geliebten auf verschiedene Weise um und lässt es wie einen Unfall aussehen. Und so kann er sie alle noch heute lieben.
Im Anschluss stellte sich Emanuel kurz vor und zack, waren wir im Thema. Ein Wirtschaftsflüchtling sei er, aus dem Osten, der nach dem Schauspielstudium nun von der Ostsee (Rostock) an die Nordsee (Wilhelmshaven) geflüchtet sei, um hier Geld zu verdienen. Und schön sei es hier: Er wird zum Auftritt abgeholt, die Stimmung ist herrlich, man heißt ihn willkommen. Und dann verspricht er, es gehe heute Abend harmlos zu.